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1824

1824

Ereignisse


- Nicolas Léonard Sadi Carnot veröffentlicht seine Arbeit über den Kreisprozess Carnot-Prozess in der Thermodynamik
- Ferdinand August von Spiegel wird Erzbischof von Köln
- Reduktion der preußischen Provinzen von zehn auf neun durch Zusammenlegung von Ost- und Westpreußen zur Provinz Preußen
- 1. Januar: In Preußen werden die ersten öffentlichen Briefkästen aufgestellt
- 16. September: Karl X. wird König von Frankreich

Kultur


- 7. Mai: Die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven wird in Wien uraufgeführt

Geboren


- 8. Januar: Wilkie Collins, britischer Autor, Verfasser der ersten Mystery Thriller († 1889)
- 21. Januar: Friedrich Feustel, Bayreuther Bankier und Förderer der Bayreuther Festspiele († 1891)
- 21. Januar: Thomas Jonathan Jackson, Südstaaten-Kommandeur im amerikanischen Bürgerkrieg († 1863)
- 7. Februar: William Huggins, britischer Astronom († 1910)
- 14. Februar: Winfield Scott Hancock, US-amerikanischer General († 1886)
- 19. Februar: Oktavio Philipp von Boehn, preußischer General der Infanterie († 1899)
- 22. Februar: Pierre Jules César Janssen, französischer Astronom († 1907)
- 2. März: Friedrich Smetana, tschechischer Komponist († 1884)
- 8. März: Friedrich Wilhelm Dörpfeld, deutscher Pädagoge (Herbartianer) († 1893)
- 12. März: Gustav Robert Kirchhoff, deutscher Physiker († 1887)
- 15. März: Jules Chevalier, französischer Priester und Autor († 1907)
- 20. März: Theodor von Heughlin, Afrika- und Polarforscher († 1876)
- 27. März: Johann Hittorf, deutscher Physiker und Chemiker († 1914)
- 29. März: Ludwig Büchner, jüngerer Bruder des Revolutionärs Georg Büchner († 1899)
- 29. April: Albert Emil Brachvogel, deutscher Schriftsteller († 1878)
- 11. Mai: Jean-Léon Gérôme, französischer Historienmaler († 1905)
- 18. Mai: Wilhelm Hofmeister, deutscher Botaniker und Professor († 1877)
- 23. Mai: Ambrose Everett Burnside, General der Unionsarmee im Amerikanischen Bürgerkrieg († 1881)
- 24. Mai: Emanuel Leutze, US-amerikanischer Maler († 1868)
- 30. Mai: Gustav Simon, Chirurg und Autor medizinischer Bücher († 1876)
- 7. Juni: Bernhard von Gudden, deutscher Mediziner († 1886)
- 23. Juni: Carl Reinecke, deutscher Komponist († 1910)
- 26. Juni: William Thomson, britischer Physiker († 1907)
- 28. Juni: Paul Broca, französischer Anthropologe und Arzt († 1880)
- 3. Juli: Albrecht Theodor Middeldorpf, Mediziner, Begründer der Galvanokaustik († 1868)
- 6. Juli: Adolphe van Soust de Borkenfeldt, belgischer Dichter und Kunsthistoriker († 1877)
- 10. Juli: Rudolf von Bennigsen, liberaler deutscher Politiker († 1902)
- 12. Juli: Eugène Boudin, französischer Maler († 1898)
- 16. Juli: Ludwig Friedländer, deutscher Altphilologe († 1909)
- 27. Juli: Alexandre Dumas (Sohn), französischer Schriftsteller († 1885)
- 31. Juli: Antoine d'Orléans, duc de Montpensier, französischer Offizier († 1890)
- 4. August: Domingo Santa María González, chilenischer Politiker und Präsident († 1889)
- 6. August: William Palmer, Serienmörder († 1856)
- 11. August: Martin Gropius, deutscher Architekt († 1880)
- 27. August: Louis Katzenstein, deutscher Maler († 1907)
- 4. September: Anton Bruckner, österreichischer Komponist († 1896)
- 11. September: Jakob Bernays, deutscher Philologe und philosophischer Schriftsteller († 1881)
- 15. September: Moritz Lazarus, deutscher Philosoph († 1903)
- 27. September: Benjamin Apthorp Gould, US-amerikanischer Astronom († 1896)
- 14. November: Anton Burger, deutscher Maler, Zeichner und Radierer († 1905)
- 18. November: Franz Sigel, Kriegsminister der badischen Revolutionäre († 1902)
- 21. November: Theodor Richter, deutscher Chemiker († 1898)
- 24. November: Frederick Miller, Begründer der US-amerikanischen Miller Brewing Company († 1888)
- 14. Dezember: Pierre Puvis de Chavannes, französischer Maler († 1898)
- 17. Dezember: John Kerr, schottischer Physiker († 1907)
- 21. Dezember: Jenny Bürde-Ney, deutsche Sängerin († 1886)
- 24. Dezember: Peter Cornelius, deutscher Komponist († 1874)

Gestorben


- 10. Januar: Viktor Emanuel I., König von Piemont-Sardinien und Herzog von Savoyen (
- 1759)
- 26. Januar: Théodore Géricault, französischer Maler (
- 1791)
- 29. Januar: Joachim Nettelbeck, war Seefahrer und Schriftsteller (
- 1739)
- 1. Februar: John Lempriere, englischer Lexikograph, Geistlicher und College-Direktor (
- um 1765)
- 9. Februar: Anna Katharina Emmerick, Ordensschwester (im Augustinerorden) und Mystikerin (
- 1774)
- 20. Februar: Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien, preußischer General (
- 1760)
- 21. Februar: Eugène Beauharnais, Stiefsohn Napoleons, Sohn der Joséphine de Beauharnais, General, Herzog (
- 1781)
- 3. März: Giovanni Battista Viotti, berühmter italienischer Violinist und Komponist (
- 1755)
- 18. März: Ferdinand Franz Wallraf, deutscher Kunstsammler (
- 1748)
- 30. März: Per Ulrik Kernell, schwedischer Schriftsteller der Romantik (
- 1797)
- 19. April: George Gordon Byron, 6. Baron Byron of Rochdale, englischer Dichter, Enkel von John Byron (
- 1788)
- 4. Mai: Joseph Joubert, französischer Moralist und Essayist (
- 1754)
- 10. Juni: Johann Kaspar Coqui, Fabrikant und Magdeburger Kommunalpolitiker (
- 1747)
- 15. Juni: Paul Brigham, US-amerikanischer Politiker, Jurist und Gouverneur von Vermont (
- 1746)
- 17. Juni: Ferdinand III., Großherzog von Toskana (
- 1769)
- 19. Juli: Agustin de Iturbide, mexikanischer Kaiser (hingerichtet) (
- 1783)
- 8. August: Friedrich August Wolf, deutscher Altphilologe und Altertumswissenschaftler (
- 1759)
- 15. August: Carl Arnold Kortum, deutscher Arzt und Schriftsteller (
- 1745)
- 21. August: Gustav Graf von Schlabrendorf, politischer Schriftsteller (
- 1750)
- 27. August: Johann Christian Woyzeck, deutscher Mann und Vorlage für die Hauptfigur in Georg Büchners Drama „Woyzeck“ (
- 1780)
- 16. September: Georg Friedrich Rebmann, deutscher Publizist (
- 1768)
- 16. September: Giacomo Tritto, italienischer Komponist und Musiklehrer (
- 1733)
- 16. September: Ludwig XVIII., französischer König (
- 1755)
- 30. Oktober: Charles Robert Maturin, irischer protestantischer Geistlicher (
- 1782)
- 22. November: Georg Walter Vincent von Wiese, Vizekanzler des Fürstenhauses Reuß zu Gera (
- 1769)
- 21. Dezember: James Parkinson, britischer Arzt, Apotheker und Paläontologe (
- 1755)
- 24. Dezember: Johann Christoph von Aretin, deutscher Publizist, Historiker, Bibliothekar und Jurist (
-  1772) ko:1824년 simple:1824

Kategorie:1824



Carnot-Prozess

Der Carnot-Prozess ist ein idealtypischer Kreisprozess, dem das Fluid in einer Wärmekraftmaschine folgen muss, um nach dem Durchlaufen des Prozesses denselben energetischen Zustand zu haben wie zu Beginn des Prozesses. Der Prozess ist reversibel, d.h. die Richtung, in der der Prozess durchlaufen wird, ist umkehrbar. Der Carnot-Prozess ist ein wichtiger Grundprozess der Thermodynamik, er wird als idealer theoretischer Vergleichsprozess verwendet, um reale Prozesse zu untersuchen. Er ist ein Wärme-Kraft-Prozess. Er wurde von Nicolas Léonard Sadi Carnot eingeführt, um zu untersuchen, wie effizient Wärmekraftmaschinen (damals insbesondere Dampfmaschinen) sein können. Praktisch kann der Carnot-Prozess nicht verwirklicht werden. Der Carnot-Prozess beruht auf der grundlegenden Beobachtung, dass Wärmeenergie, die beim Kontakt zweier Körper verschiedener Temperaturen von einem Körper zum anderen fließt, für die Gewinnung mechanischer Energie endgültig verloren ist. Daher muss ein idealer Prozess solche Kontakte vermeiden. Der Carnot-Prozess arbeitet ohne Energieentwertung. Der Carnot-Prozess erreicht dies durch einen vierstufigen Prozess: Energieentwertung Energieentwertung
- 1. Takt: Das Arbeitsgas wird komprimiert (1-2). Dabei ist es mit einem Wärmereservoir niedriger Temperatur T2 in Kontakt. Die Kompression ist isotherm. Die dem Gas zugeführte technische Arbeit wird in Wärme umgesetzt und an das Reservoir abgegeben.
- 2. Takt: Danach werden Gas und Wärmereservoir getrennt und das Gas wird adiabatisch-isentrop weiterverdichtet (2-3). Die am Gas verrichtete Arbeit erwärmt das Gas auf die hohe Temperatur T3.
- 3. Takt: Im dritten Prozessschritt wird das Gas mit einem Wärmereservoir der Temperatur T3 in Kontakt gebracht und isotherm expandiert (3-4), bis die Anfangsentropie s1 erreicht ist. Das Gas nimmt dabei Wärme vom Reservoir auf. Bei der Expansion wird technische Arbeit abgegeben.
- 4. Takt: Das Gas wird vom Wärmereservoir getrennt und expandiert adiabatisch-isentrop weiter. Dabei kühlt sich das Gas bis auf die Anfangstemperatur T1 ab. Damit ist der Ausgangszustand wiederhergestellt. Die bei den letzten beiden Schritten gewonnene Arbeit ist größer als die bei den ersten beiden Schritten hineingesteckte Arbeit, so dass sich insgesamt ein Arbeitsgewinn ergibt. Die Menge der gewonnenen technischen Arbeit entspricht der farbig hinterlegten Fläche im pv-Diagramm. Jedoch kann nicht die gesamte dem wärmeren Reservoir entzogene Wärmeenergie in Arbeit umgesetzt werden, da im ersten Schritt Wärmeenergie ans kältere Reservoir abgegeben wird. Die Tatsache, dass man stets zwei Energiereservoirs braucht, um eine Wärmekraftmaschine zu betreiben, ist das wichtigste Ergebnis von Carnot. Eine periodisch arbeitende Maschine, die nur einem Reservoir Wärme entzieht und diese in Arbeit umsetzt, nennt man Perpetuum Mobile zweiter Art. Ein solches widerspräche dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Wird der Carnot-Prozess in umgekehrter Richtung durchlaufen, entzieht er dem kälteren Reservoir Wärme und führt sie dem wärmeren Reservoir (zusammen mit der in Wärme umgesetzten Arbeitsenergie) zu. Eine solche Vorrichtung nennt man Wärmepumpe. Wärmepumpen werden z.B. als Kühlaggregate oder zur energiesparenden Heizung von Häusern verwendet. Der Wirkungsgrad des Carnot-Prozesses ist: allgemein:
\eta_c=
entspr. Diagramm:
\eta_c=
Jeder reversible Kreisprozess hat genau denselben Wirkungsgrad wie der Carnot-Prozess, wenn die mittleren thermodynamischen Temperaturen bei der Wärmezufuhr und bei der Wärmeabfuhr mit denen der Isothermen im Carnotprozess übereinstimmen. Hätte er einen anderen, so könnte man den als Motor weniger effizienten Prozess als (effizientere) Wärmepumpe betreiben, die die vom anderen Prozess ans kältere Reservoir abgegebene Wärme wieder ins wärmere Reservoir hochpumpt; da dies weniger Arbeit bräuchte als der als Motor effizientere Kreisprozess liefert, hätte man auf diese Weise ein Perpetuum Mobile zweiter Art gebaut. Der theoretische Carnot-Prozess läuft unendlich langsam ab, und die Wärmeströme, die zwischen den Reservoirs und der Maschine ausgetauscht werden, sind unendlich klein, womit die Temperaturdifferenz verschwindet. Eine erste Annäherung an die Realität kann gewonnen werden, wenn die Wärmequelle als endliches Reservoir betrachtet wird. 1957 schlug Novicov ein neues Model für eine Wärmekraftmaschine vor. Es bestand aus zwei Wärmereservoirs einem mit der hohen Temperatur und einem mit der niedrigen Temperatur. Zwischen den beiden Reservoirs befinden sich eine reversible Komponente und eine irreversible Komponente.
1975 entwarfen Curzon und Ahlborn ein um einen Wärmeübertrager auf der „kalten“ Seite ergänztes Modell. Die Modelle von Novicov und Curzon/Ahlborn begründeten eine Reihe von Untersuchungen zur endoreversiblen Thermodynamik, welche Irreversibilitäten berücksichtigt, wie sie in realistischen Prozessen auftreten. Läuft die Maschine langsam, dann werden die Wärmeströme klein. Damit nähern sich die inneren Temperaturen den äußeren Temperaturen an, der Wirkungsgrad geht gegen den Carnot-Wirkungsgrad. Da die Maschine unendlich langsam läuft, ist die abgegebene Leistung Null. Läuft die Maschine mit unendlich schneller Geschwindigkeit, dann sind die Wärmeströme ebenfalls unendlich groß. Dann sind die inneren Temperaturen gleich. Damit wird der Wirkungsgrad gleich Null und die abgegebene Leistung ebenfalls. Dazwischen wird Leistung abgegeben. Die konsequente Fortsetzung ist das unter anderem von Bejan untersuchte Modell, welches sowohl endliche Quellen, als auch Irreversibilitäten berücksichtigt. Tatsächlich erreichen technisch realisierbare Anlagen die theoretischen Wirkungsgrade nicht, die Umwandlung wird dabei im wesentlichen von zwei nicht zu vernachlässigenden Faktoren limitiert. Zum einen ist zu beachten, dass die Übertragung der Wärme auf das Arbeitsmedium jedenfalls bei Maschinen auf Basis des Rankine-Kreislaufes mit mindestens dem Phasenwechsel des Arbeitsmediums einhergeht, u.U. erfolgt auch ein Phasenwechsel der Wärmequelle, z.B. des geothermalen Fluids (betrifft Dampfvorkommen). Der optimale theoretische Verlauf des Wärmeüberganges ist daher nur eingeschränkt, abschnittsweise zu realisieren. Dazu kommen Schwierigkeiten bei der Gestaltung des Wärmeübergangs im mittleren Bereich. Vargas et.al haben gezeigt, dass eine Optimierung durch Anpassung der Massenströme erfolgen kann und muss. Dieses thermodynamische Optimum kann basierend auf der Minimierung des Gesamtbetrages der Entropie-Generation für einen endlichen Wärmetauscher gefunden werden. Zum anderen sind unter technischen Gesichtspunkten die mechanischen und elektrischen Verluste nicht vernachlässigbar. Dabei ist in erster Linie auf Druckverluste in Wärmetauschern, auf elektrische Verluste in den Umwandlungseinrichtungen und auf parasitäre thermische Verluste abgestellt. Dabei können technische Weiterentwicklungen diese negativen Auswirkungen einschränken, sie sind jedoch dem Grunde nach physikalisch bedingt und werden nie gänzlich zu vernachlässigen sein. Siehe auch: Zustandsänderung, Stirlingmotor Kategorie:Thermodynamik ja:カルノーサイクル

Thermodynamik

Die Thermodynamik, auch als Wärmelehre bezeichnet, ist ein Teilgebiet der klassischen Physik. Sie entstand im Verlauf des 19. Jahrhunderts auf der Grundlage der Arbeiten von James Prescott Joule, Nicolas Léonard Sadi Carnot, Julius Robert von Mayer und Hermann von Helmholtz. Sie ist die Lehre der Energie, ihrer Erscheinungsform und Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Sie erweist sich als vielseitig anwendbar in der Chemie, Biologie und Technik. Mit ihrer Hilfe kann man zum Beispiel erklären, warum bestimmte chemische Reaktionen freiwillig ablaufen und andere nicht. Die Thermodynamik ist eine rein makroskopische Theorie, die davon ausgeht, dass sich die physikalischen Eigenschaften eines Systems hinreichend gut mit makroskopischen Zustandsgrößen beschreiben lassen. Dabei werden intensive Zustandsgrößen, beispielsweise Temperatur T, Druck p und chemisches Potenzial μ, von extensiven Zustandsgrößen, beispielsweise innerer Energie U, Entropie S, Volumen V und Teilchenzahl N, unterschieden. Die Arbeit W und die Wärme Q sind keine Zustandsgrößen, da sie das System nicht in eindeutiger Weise zu einem festen Zeitpunkt charakterisieren. Die Gleichungen, die konkrete Zusammenhänge zwischen den Zustandsgrößen für spezielle physikalische Systeme (z.B. ideales Gas) liefern, heißen Zustandsgleichungen. Die Thermodynamik kann vollständig auf vier Axiome, den vier Hauptsätzen, aufgebaut werden. Diese Axiome sind in ihrer ursprünglichen Formulierung - entsprechend ihrer Entstehung beruhend auf empirischen Beobachtungen - reine Erfahrungssätze. Die elegante mathematische Struktur erhielt die Thermodynamik durch die Arbeiten von Josiah Willard Gibbs, der als Erster die Bedeutung der Fundamentalgleichung erkannt und ihre Eigenschaften formuliert hat. Durch die Statistische Mechanik nach James Clerk Maxwell und Ludwig Boltzmann können viele Aspekte der Thermodynamik anhand mikroskopischer Theorien bestätigt werden. In ihrer gesamten Darstellung behält sie allerdings weiterhin den ausgezeichneten Status einer eigenständigen physikalischen Theorie. Ihre Anwendbarkeit muss jedoch auf geeignete Systeme eingeschränkt werden: das sind solche, die sich aus genügend vielen Einzelsystemen, also meist Teilchen, zusammensetzen.

Nullter Hauptsatz (manchmal auch 4. Hauptsatz genannt)

Wenn ein System A sich mit einem System B sowie B sich mit einem System C im thermischen Gleichgewicht befinden, so befindet sich auch A mit C im thermischen Gleichgewicht. Anders formuliert, das Gleichgewicht ist transitiv. Dies erlaubt es, eine neue Zustandsgröße, die empirische Temperatur θ einzuführen, so dass zwei Systeme genau dann die gleiche Temperatur haben, wenn sie sich im thermischen Gleichgewicht befinden. Dieses Gesetz wurde erst nach den drei anderen Hauptsätzen formuliert. Da es eine wichtige Basis bildet, wurde es später als Nullter Hauptsatz bezeichnet. Das macht die Benutzung eines Thermometers, das in Kontakt mit dem zu messenden Okjekt steht, möglich. Wird anstatt der Temperatur die Entropie nicht nur für alle thermodynamischen Systeme, sondern als primärer Begriff im phänomenologischen Sinne eingeführt, so erübrigt sich der Nullte Hauptsatz.

Erster Hauptsatz

Der Erste Hauptsatz der Thermodynamik ist der Satz der Energieerhaltung: Jedes System besitzt eine extensive Zustandsgröße Energie. Die Gesamtenergie GE eines abgeschlossenen Systems kann sich nur durch den Transport von Energie in Form der Prozessgrößen (gekennzeichnet durch das \delta ) Arbeit W und Wärme Q über die Grenze des Systems ändern. Aus dieser Formulierung ergibt sich die differenzielle Form der Energiebilanzgleichung für ein geschlossenes System: :\qquad \mathrm dGE= \delta Q + \delta W Die Gesamtenergie GE eines Systems setzt sich aus der inneren Energie U, der kinetischen Energie KE und der potenziellen Energie PE zusammen. :\qquad \mathrm GE= U + KE + PE Verschiedene Energieformen können sich ineinander umwandeln, aber Energie kann weder aus dem Nichts erzeugt werden noch vernichtet werden. Deshalb ist ein Perpetuum Mobile erster Art unmöglich. (Kein System kann mehr Arbeit verrichten als ihm an Wärme zugeführt wird oder als Energie in ihm enthalten ist.) Eine Einschränkung der Umwandelbarkeit von Wärme in Arbeit ergibt sich erst aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.

Zweiter Hauptsatz

Der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass es eine extensive Zustandsgröße Entropie S gibt, die in einem abgeschlossenen System niemals abnimmt. Für die Änderung der Entropie dS gilt also :\qquad dS\ge 0. Entropie ist in der Thermodynamik eine Zustandsgröße, die aus der Definition :\qquad dS=\frac über geeignete Ersatzprozesse berechnet werden kann. Die grundlegende Bedeutung des Satzes besteht darin, dass er den thermodynamischen Gleichgewichtszustand abgeschlossener Systeme eindeutig definiert (dS=0) und damit auch spontan ablaufende thermodynamische Prozesse quantifizierbar macht. Bei spontan ablaufenden Prozessen, die man auch irreversibel nennt, findet immer eine Entropieproduktion statt. Beispiele sind die Vermischung von zwei unterschiedlichen Gasen und der Wärmetransport von einem heißen zu einem kalten Körper. Die Wiederherstellung des (oft 'geordneter' genannten) Anfangszustandes erfordert dann den Einsatz von Energie, oder Information (siehe Maxwell'scher Dämon). Reversible Prozesse sind nicht mit einer Produktion der Gesamtentropie verbunden und laufen daher auch nicht spontan ab. Durch die theoretische Beschreibung spontan ablaufender Prozesse zeichnet der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik eine Richtung der Zeit aus, die mit unserer intuitiven Erfahrungswelt übereinstimmt. Beispiel: Ein kräftefreies Gas verteilt sich immer so, dass es das zur Verfügung stehende Volumen vollständig und gleichmäßig ausfüllt. Warum das so ist, versteht man, wenn man den gegenteiligen Fall betrachtet. Man stelle sich eine luftdichte Kiste in der Schwerelosigkeit vor, in der sich ein einziger Partikel bewegt. Die Wahrscheinlichkeit, diesen bei einer Messung in der linken Hälfte der Kiste zu finden, ist dann genau 1/2. Befinden sich dagegen zwei Partikel in der Kiste, dann ist die Wahrscheinlichkeit, beide in der linken Hälfte anzutreffen, nur noch 1/2 · 1/2 = 1/4 und bei N Partikeln dementsprechend 0,5N. Die Anzahl der Atome in einem Gas ist astronomisch hoch. In einem Volumen von einem Kubikmeter bei normalem Druck liegt sie in der Größenordnung von rund 1023 Teilchen. Die daraus resultierende Wahrscheinlichkeit, dass sich das Gas in der Kiste spontan in einer Hälfte konzentriert, ist so gering, dass ein solches Ereignis vermutlich niemals eintreten wird. Wie aus den zeitlich umkehrbaren mikroskopischen Gleichungen der klassischen Mechanik (ohne Reibung) die symmetriebrechende makroskopische Gleichung folgt, wird in der Statistischen Mechanik geklärt. Zudem erhält die Entropie dort eine anschauliche Bedeutung: sie ist ein Maß der Unordnung eines Systems.

Schlussfolgerungen

Es sind viele Schlussfolgerungen möglich. Einige davon sind: # Alle spontan (in eine Richtung) ablaufenden Prozesse sind irreversibel. # Alle Prozesse, bei denen Reibung stattfindet, sind irreversibel. # Ausgleichs- und Mischungsvorgänge sind irreversibel. # Wärme kann nicht von selbst von einem Körper niedriger Temperatur auf einen Körper höherer Temperatur übergehen. Dazu ist eine Kompensation durch andere irreversible Prozesse notwendig (z. B. Kühlschrank, Wärmepumpe). # Das Gleichgewicht isolierter thermodynamischer Systeme ist durch ein Maximalprinzip der Entropie ausgezeichnet. # Wärme kann nicht vollständig in Arbeit umgewandelt werden. Dies wäre eine Realisierung eines Perpetuum Mobile zweiter Art.

Statistische Interpretation

Die statistische Interpretation des Zweiten Hauptsatzes ist: ein abgeschlossenes System, sich selbst überlassen, wird immer den Zustand größter Unordnung anstreben. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Nehmen wir zunächst eine Kiste und teilen ihren Boden durch zwei zueinander senkrechte Striche in vier gleichgroße Zonen ein, die wir von 1 bis 4 durchnummerieren. Nun legen wir 5 Dominosteine in die Zone 1 und legen die Kiste in den Kofferraum eines Fahrzeuges. Nach kurzer Fahrt sehen wir uns die Lage der Steine wieder an. Im Prinzip gibt es jetzt 216 verschiedene Möglichkeiten, wie die Steine liegen können, z.B.
- 2 Steine in Zone 1, 2 Steine in Zone 2, 1 Stein in Zone 3
- 2 Steine in Zone 1, 2 Steine in Zone 2, 1 Stein in Zone 4
- 2 Steine in Zone 1, 2 Steine in Zone 4, 1 Stein in Zone 2
- usw. Nur eine von diesen 216 Möglichkeiten entspricht der Ausgangssituation. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle 5 Dominosteine nach längerem Rütteln wieder in Zone 1 zurückkehren ist also 1:216. Rechnet man nun ein ähnliches Beispiel mit Milliarden von Gasmolekülen, die sich in einer Kammer verteilen können, dann ist anschaulich klar, dass diese sich kaum in einer Ecke ansammeln werden, weil dies nur eine Möglichkeit von Trilliarden anderer ist. Und die überwiegende Zahl der Konfigurationen sehen so aus, dass sich in jedem Raumbereich ungefähr gleich viele Gasmoleküle aufhalten.

Voraussetzungen

Der zweite Hauptsatz kann zwar bewiesen werden (siehe Brenig, Wilhelm, Statistische Theorie der Wärme, Band 1: Gleichgewichtsphänomene, Berlin, New York, 3. Aufl., 1992, Kapitel 10.2), aber nur unter der Einschränkung, dass keine langreichweitigen Wechselwirkungen vorhanden sind und sich daher ein thermodynamisches Systeme in unabhängige Teilsysteme zerlegen lässt, denn nur in diesem Fall sind die Energien und Entropien der Teilsysteme additiv, also lineare Erhaltungsgrössen (siehe Brenig, Wilhelm, Statistische Theorie der Wärme, Band 1: Gleichgewichtsphänomene, Berlin, New York, 3. Aufl., 1992, Seite 10).

Andere Formulierungen

Bei Systemen, die nicht abgeschlossen sind, die also einen Wärme- und Arbeitsübertrag zulassen, gilt die ursprüngliche Formulierung nicht mehr. Es gibt, je nach äußeren Bedingungen, unterschiedliche Formulierungen. Äquivalent zum Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik ist zum Beispiel die Aussage, dass bei einem an ein Wärmebad angeschlossenen System die freie Energie F minimal wird. Zum Beispiel ist die Erde auch kein abgeschlossenes System und wird durch die Sonneneinstrahlung und die Wärmeabstrahlung ins Weltall ständig geheizt bzw. gekühlt.

Wärmekraftmaschinen

Ein technischer Aspekt, der mit dem Zweiten Hauptsatz zusammenhängt, ist die Umwandelbarkeit thermischer Energie in andere Energieformen. Der Ingenieur Nicolas Léonard Sadi Carnot hat erstmals Untersuchungen über die Umwandelbarkeit thermischer Energie an Dampfmaschinen vorgenommen. Heute liefert der nach ihm benannte Modellprozess (Carnot-Prozess) den theoretisch maximalen Wirkungsgrad einer Umwandlung thermischer Energie in andere Energieformen. Da thermische Energie nicht vollständig in andere Energieformen (z.B. Strom, mechanische Energie) umgewandelt werden kann, haben sich die Begriffe Anergie und Exergie entwickelt, die kennzeichnen, welcher Teil der thermischen Energie umgewandelt werden kann (Exergie) und welcher als thermische Energie verbleiben muss (Anergie). Es gilt damit thermische Energie = Anergie + Exergie und der Wirkungsgrad der realen Wärmekraftmaschine ist immer kleiner oder gleich dem der idealen Wärmekraftmaschine: \qquad \eta = 1 - \frac = \frac, wobei die Wärmebäder, an denen die Wärmekraftmaschine angeschlossen ist, die Temperaturen T_ und T_ aufweisen. Der Zweite Hauptsatz hat somit erhebliche technische Auswirkungen. Da viele Maschinen, die mechanische Energie liefern, diese über einen Umweg aus thermischer Energie erzeugen (z.B. Dieselmotor: Chemische Energie \rightarrow thermische Energie \rightarrow mechanische Energie), gelten für ihre Wirkungsgrade immer die Beschränkungen des 2. Hauptsatzes. Im Vergleich dazu bieten Elektromotoren, die bei der Umwandlung keine Zwischenstufe über thermische Energie gehen, erheblich höhere Wirkungsgrade.

Dritter Hauptsatz

Dieser Hauptsatz wurde von Walther Nernst im Jahr 1905 vorgeschlagen und ist auch als Nernst-Theorem bekannt. Er ist quantentheoretischer Natur und verbietet es, ein System bis zum absoluten Nullpunkt abkühlen zu können. Bei der Annäherung der Temperatur an den absoluten Nullpunkt (T=0) wird die Entropie S unabhängig von thermodynamischen Parametern. Damit geht S gegen einen festen Grenzwert S_0: \lim_S (T,p,V,...) = S (T=0) = S_0 Die konstante Entropie bei T=0 lässt sich als S_0=k\cdot \ln (\Omega_0) darstellen, wobei k die Boltzmann-Konstante ist und \Omega_0 die Anzahl der möglichen Mikrozustände im Grundzustand (Entartung). Zum Beispiel würde sich für einen n-atomigen Kristall, dessen Atome im Energiegrundzustand zwei mögliche Spineinstellungen haben S_0=k\cdot \ln (2^) ergeben.

Beispiel

Folgendes Beispiel soll die Bedeutung des Begriffs „Zustand“ in der Thermodynamik hervorheben und den Unterschied von Zustandsgrößen und Nicht-Zustandsgröße illustrieren. Wir betrachten dazu einen mittels eines beweglichen Kolbens abgeschlossenen Zylinder, der mit N_0 Molen eines idealen Gases gefüllt ist. Der Zylinder befindet sich in Wärmekontakt mit einem Wärmebad der Temperatur T_0. Zunächst befindet sich das System im Zustand 1, charakterisiert durch (T_0, V_1, N_0); dabei ist V_1 das Volumen des Gases. Ein Prozess soll das System in den Zustand 2 gegeben durch (T_0, V_2, N_0) mit V_2>V_1 bringen. Temperatur und Stoffmenge bleiben also konstant und das Volumen vergrößert sich. Wir diskutieren zwei verschiedene isotherme Prozesse, die das leisten: (1) eine instantane Expansion (Joule-Thomson-Expansion) und (2) eine quasistatische Expansion. Bei Prozess (1) wird der Kolben „unendlich“ schnell herausgezogen (man kann den Prozess auch folgendermaßen realisieren: ein Gefäß mit einem Volumen V_2 ist durch eine herausnehmbare Wand in zwei Teilbereiche geteilt, wobei einer das Volumen V_1 besitzt und mit dem idealen Gas gefüllt ist. Der andere Teilbereich ist evakuiert. Der Prozess ist dann durch das Herausziehen der Zwischenwand gegeben). Dabei leistet das Gas keine Arbeit, es ist also \delta W = 0. Experimentell zeigt sich, dass sich die Energie des Gases nicht ändert (der mittlere Geschwindigkeitsbetrag der Gasteilchen bleibt gleich), daher ist auch die Wärme („in Form von Wärme zugeführte Energie“) gleich Null: \delta Q = 0. Zusammengefasst: Bei Prozess (1) ist die Energie von Anfangs- und Endzustand gleich. Die Energieformen Arbeit und Wärme verschwinden. Bei Prozess (2) wird der Kolben sehr langsam herausgezogen und dadurch das Volumen vergrößert. Das Gas leistet Arbeit, es ist \delta W < 0. Da die Energie von Anfangs- und Endzustand aber dieselbe ist (die Energie ist eine Zustandsgröße und hängt nicht von der Prozessführung ab!), muss nach dem ersten Hauptsatz bei dem Prozess Energie in Form von Wärme zugeführt werden: \delta Q = - \delta W > 0. Zusammengefasst: Bei Prozess (2) ist die Energie von Anfangs- und Endzustand (ebenfalls) gleich. Das System leistet Arbeit („verliert Energie in Form von Arbeit“) und erhält vom Wärmebad Energie in Form von Wärme. Insgesamt sieht man also, dass die Energieformen Wärme und Arbeit von der konkreten Realisierung des Prozesses abhängen. In der Thermodynamik benutzt man die Bezeichnung d für Differentiale von Zustandsgrößen und \delta für infinitesimal kleine Änderungen von Nicht-Zustandsgrößen. Ein System besitzt in einem Zustand eine bestimmte Energie, Entropie, Volumen, etc. aber keine Wärme oder Arbeit! Noch eine Anmerkung: Bei Prozess (1) verlässt das System den thermodynamischen Zustandsraum. Die Zustände, die das System zwischen Anfangs- und Endzustand einnimmt, sind keine thermodynamischen Gleichgewichtszustände. Daher sind die Differentiale im 1. Hauptsatz nicht definiert. Dieser gilt jedoch auch für endliche Differenzen. Die obige Betrachtung ist auch für einen nicht-quasistatischen Prozess korrekt.

Zusammenfassung

# Hauptsatz: Man kann weder Energie gewinnen, noch verlieren. # Hauptsatz: Es gibt keine Maschine, die Wärme vollständig in andere Energie umwandeln kann. # Hauptsatz: Der absolute Nullpunkt der Temperatur ist unerreichbar..

Irreversible Thermodynamik

Neben der klassischen Gleichgewichtsthermodynamik wurde im 20. Jahrhundert die Nichtgleichgewichtsthermodynamik oder auch Thermodynamik irreversibler Prozesse entwickelt. Die klassische Thermodynamik macht über Nichtgleichgewichtsprozesse nur die qualitative Aussage, dass diese nicht umkehrbar sind, beschränkt sich aber in ihren quantitativen Aussagen auf Systeme, die stets global im Gleichgewicht sind, bzw. nur inkrementell davon abweichen. Demgenüber behandelt die Nichtgleichgewichtsthermodynamik Systeme die sich nicht in einem globalen thermodynamischen Gleichgewicht befinden, sondern davon abweichen. Oft wird jedoch noch lokales thermodynamisches Gleichgewicht angenommen. Ein wichtiges Ergebnis der Nichtgleichgewichtsthermodynamik ist das Prinzip der minimalen Entropieproduktion für offene Systeme, welche nur wenig vom thermodynamischen Gleichgewicht abweichen. Dies ist der Bereich der sogenannten linearen Nichtgleichgewichtsthermodynamik. Weicht ein offenes System stark vom Gleichgewicht ab, kommt die nichtlineare Nichtgleichgewichtsthermodynamik zum Zug. Wichtiges Ergebnis in diesem Bereich ist das Stabilititätskriterium von Ilya Prigogine und Paul Glansdorff, das angibt, unter welchen Bedingungen der Zustand mit der minimalen Entropieproduktion instabil wird und ein System bei gleichzeitgem Entropieexport eine höher geordnete Struktur annehmen kann. In diesem Bereich können also spontan sogenannte dissipative Strukturen entstehen, die experimentell bestätigt wurden (beispielsweise Bénard-Zellen). Da in diesem nichtlinearen Bereich auch biologische Prozesse anzusiedeln sind, ist dieses Resultat besonders auch in Hinsicht auf die Entwicklung des Lebens von grosser Bedeutung.

Vertreter


- James Prescott Joule
- Nicolas Léonard Sadi Carnot
- Julius Robert von Mayer
- Hermann von Helmholtz
- William Thomson, 1. Baron Kelvin
- James Clerk Maxwell
- Ludwig Boltzmann
- Joseph Louis Gay-Lussac
- Robert Boyle
- Edme Mariotte
- Rudolf Clausius
- Josiah Willard Gibbs
- Guillaume Amontons
- Lorenzo Romano Amedeo Carlo Avogadro
- Jacques Charles
- Ilya Prigogine

Weiterführende Informationen


- Portal:Physik
- Fundamentalgleichung, Zustandsgröße, Zustandsgleichung (für ideales Gas, reales Gas), Ideales Gas, Reales Gas, Van der Waals-Radius
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Literatur

Allgemein


- Herbert B. Callen: Thermodynamics and an Introduction to Thermostatistics. 2. Auflage. Wiley Text Books, New York 1985, ISBN 0-471-86256-8
- Karl Stephan, Franz Mayinger: Thermodynamik. Grundlagen und technische Anwendungen. 2 Bände, Springer Verlag
  - Band 1: Einstoffsysteme. 15. Auflage. 1998, ISBN 3-540-64250-1
  - Band 2: Mehrstoffsysteme und chemische Reaktionen. 14. Auflage. 1999, ISBN 3-540-64481-4

Chemische Thermodynamik


- Wolfgang Wagner: "Chemische Thermodynamik". 4. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1982
- Hans-Heinrich Möbius, Wolfgang Dürselen: "Chemische Thermodynamik". 5. Auflage. VEB Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1988, ISBN 3-342-00294-8
- Hans-Werner Kammer, Kurt Schwabe: "Einführung in die Thermodynamik irreversibler Prozesse". Akademie Verlag Berlin, 1984
- Hans-Joachim Bittrich: "Leitfaden der chemischen Thermodynamik". Verlag Chemie, Weinheim 1971, ISBN 3-527-25019-0

Technische Thermodynamik


- Klaus Langeheinecke, Peter Jany, Eugen Sapper: Thermodynamik für Ingenieure. 5. Auflage. Vieweg Verlag, Wiesbaden 2004
- Günter Cerbe, Gernot Wilhelms: Technische Thermodynamik. Theoretische Grundlagen und praktische Anwendungen. 14. Auflage. Hanser Fachbuchverlag, Juni 2005, ISBN 3446402810
- Baehr,H.-D.:"Thermodynamik", 12.Auflage, 2 Bände
- Elsner, N., Dittmann, A.: Grundlagen der Technischen Thermodynamik, Bd. 1 und 2, Akademie Verlag, Berlin, 1993

Thermodynamik in der Biologie


- Dieter Leuschner: Thermodynamik in der Biologie. Eine Einführung. Akademie Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-05-500487-6

Weblinks


- [http://archiv.christoph-hoffmann.de/ESS/physik.php Beschreibungen zu einigen Versuchen der Thermodynamik]
- [http://saftsack.fs.uni-bayreuth.de/thermo/skript.html Ausführliches Skript zur Thermodynamik und statistischen Physik] Kategorie:Physik Kategorie:Chemie Kategorie:Physikalische Chemie Kategorie:Thermodynamik Kategorie:Statistische Physik ja:熱力学 ko:열역학 th:อุณหพลศาสตร์

Ferdinand August von Spiegel

Graf Ferdinand August von Spiegel zum Desenberg und Canstein, (
- 25. Dezember 1764 auf Schloss Canstein in Westfalen; † 2. August 1835 in Köln) war von 1824 bis 1835 Erzbischof des Erzbistums Köln. Erzbistums Köln Ferdinand August stammte aus dem altwestfälischen Adelsgeschlecht der Freiherren Spiegel zum Desenberg. Er war das fünfte Kind seines Vaters Freiherr Theodor Hermann von Spiegel zum Desenberg und dessen zweiter Ehefrau Adolphine Franziska von Landsberg zu Erwitte. Er verlebte eine weitgehend sorglose Jugend, bis 1777 seine Mutter und 1779 sein Vater kurz hintereinander verstarben. Mit seinem ein Jahr älteren Bruder Max kam er daraufhin auf das fürstbischöfliche Adelskonvikt in Fulda, wo er bis 1783 eine theologische, philosophische und juristische Ausbildung erhielt. Von 1783 bis 1785 studierte er Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Münster. Hier war er im Mai 1783 Domherr geworden, woraufhin er die Tonsur und die niederen Weihen erhielt. Im Gedankengut der Aufklärung verwurzelt neigte Spiegel in keiner Weise dem geistlichen Stand zu, von dem er sich lediglich größere Karrierechancen erhoffte. Nachdem er sich 1788 vergeblich um das Landdrostenamt, dem höchsten Verwaltungsposten im damaligen Herzogtum Westfalen, beworben hatte, konnte er in den folgenden Jahren weitere Domkanonikate in Osnabrück und Hildesheim erlangen. In seiner münsteraner Zeit lebte er bei einem Onkel, der Domkapitular in Münster war. Nach dessen Tode am 17. November 1793 konnte er das von diesem bekleidete Amt eines Vizedomus erlangen, woraufhin er am 25. November 1793 die Weihe zum Subdiakon erhielt. 1790 begleitete er den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Maximilian Franz von Österreich, der in Personalunion auch Bischof von Münster war, zur Kaiserkrönung Leopolds II. nach Frankfurt am Main. Stets bemüht um eine leitende Position, ernannte ihn der Erzbischof 1796 zum Geheimen Rat, zumal Spiegel bereits als Vizedomus enorme Talente in der Verwaltung bewiesen hatte. Als im Sommer 1794 französische Truppen das Hochstift Münster bedrohten und die meisten Domherren die Stadt verlassen hatten, führte er die Geschäfte des Kapitels weiter. Am 25. Juli 1796 erhielt er von Weihbischof Kaspar Max von Droste zu Vischering die Diakonatsweihe. In Würdigung seiner Verdienste wurde er am 29. Juli 1799 zum Domdekan gewählt. Doch scheiterte sein Versuch, dieses mit dem Amt des Generalvikars zu vereinigen an Erzbischof Max Franz, der eine solche Machtkonzentration in einer Hand nicht zu sehen wünschte. Die für das Domdekanat vorgeschriebene Priesterweihe empfing Spiegel, der lediglich einen allgemeinen "Gottglauben" besaß und in der Kirche eine Anstalt zur Volkserziehung sah, am 6. Dezember 1799. Als der Erzbischof 1801 verstarb, übernahm Spiegel die Regierung des Hochstiftes und drängte die Domkapitel von Münster und Köln zur Wahl des Anton Viktor von Österreich, der ihn auch mit der Wahlannahme beauftragte. Seine Hoffnung, dass der Sohn eines mächtigen Hauses die Säkularisation Münsters verhindern könne, wurde jedoch enttäuscht, zumal Anton Viktor schon kurz darauf auf seine Wahl und die daraus erwachsenden Rechte verzichtete. Am 3. August 1802 besetzten preußische Truppen die Stadt Münster, so dass Ferdinand August seiner weltlichen Ämter verlustig ging. Doch schon bald befand er sich mit den Preußen in bestem Einvernehmen und arbeitete eng mit ihnen zusammen, zumal er sich daraus einen Posten in der weltlichen Verwaltung erhoffte. So gelang es ihm noch im Februar 1803 in Berlin, die Auflösung des Domkapitels von Münster zu verhindern. In den Wirren der napoleonischen Kriegen zog er sich bis 1810 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, zumal die Franzosen das Domkapitel 1811 aufgehoben hatten und Spiegel nicht als einfacher Domherr in ein neues Kapitel, in welchem nun auch Bürgerliche vertreten waren, eintreten wollte. Dies hielt er für unter seiner Würde. Doch schon bald fand er auch bei den Franzosen Gehör und Ansehen, so dass er am 14. April 1813 vom französischen Kaiser Napoléon die Ernennung zum Bischof von Münster erhielt. Da er jedoch Bedenken zur Rechtmäßigkeit einer Ernennung ohne päpstliche Bestätigung trug, ließ er sich vom Domkapitel zum 2. Kapitularvikar wählen, dem der eigentliche Kapitularvikar, sein ewiger Gegner Clemens August von Droste zu Vischering, alle Kompetenzen abtreten musste. In diesen Jahren, welche mit einer enormen Tätigkeit gefüllt waren, vollzog sich bei Spiegel eine innere Wandlung, so dass man ihn ab 1815 als einen wirklich religiösen Christen bezeichnen kann. Nach dem Sturz Napoléons schaffte er es erneut, in enge Verbindung mit den Preußen zu treten, deren Wohlwollen er auch sogleich wieder erlangte. Verschiedene Angebote, z. B. Regierungspräsident zu werden, schlug er aus. In der Hoffnung der katholischen Kirche in Preußen einen eigenen Sachwalter als Kultusminister zu bereiten, wobei er an sich selbst dachte, verzichtete er 1815 auf das Bistum Münster, dessen Verwaltung jedoch noch vor seinem Abtritt auf Anweisung des Papstes wieder an Droste als Kapitularvikar überging. Von 1814 bis 1815 nahm er am Wiener Kongress teil, wo er sich für eine von Rom unabhängige deutsche Nationalkirche einsetzte. Doch da es faktisch zu keiner Regelung der kirchlichen Fragen kam, reiste er wieder ab. Obwohl ihm ein ersehntes Amt auf Ministerebene versagt blieb, würdigte der preußische König Friedrich Wilhelm III. seinen Einsatz am 17. Januar 1816 durch die Erhebung in den Grafenstand. Nachdem sein Denken sich in den vergangenen Jahren gewandelt hatte und er von einem Vertreter des Staatskirchentums zu einem Verfechter kirchlicher Freiheit geworden war, kam ihm doch noch die ersehnte Rolle in der Neuordnung der Deutschen Kirche zu und er wurde Subdelegat des Exekutors der Bulle "De salute animarum" (1821). Die rasche und unparteiische Erledigung dieser mit heiklen Personalfragen verbundenen Arbeit imponierte der preußischen Regierung so, dass man mit dem Angebot der Übernahme des Erzbistums Köln an ihn herantrat. Bei Papst Pius VII. tat er nun Abbitte für sein unkanonisches Verhalten von 1813, was ihm nicht nur Verzeihung, sondern auch eine sonst nicht übliche Vorernennung zum Erzbischof einbrachte. Nachdem der König noch einmal persönlich mit der Bitte um die Amtsübernahme herantrat, kam es am 20. Dezember 1824 zur Ernennung zum Erzbischof durch Papst Leo XII. Nachdem Spiegel am 21. April 1825 feierlich in Köln eingezogen war, erhielt er am 11. Juni 1825 durch den Trierer Bischof Josef von Hommer die Bischofsweihe in der Kirche St. Maria Himmelfahrt. In den folgenden Jahren wirkte Spiegel unermüdlich und führte alle wichtigeren Dinge seiner Diözese selbst durch. Selbst die Konstitutionen für die Neusser Alexianer verfasste er eigenhändig. Spiegel, der für die Regierung kein bequemer Mann war, bemühte sich um die prinzipielle Wahrung der kirchlichen Unabhängigkeit gegenüber dem Staat. Im Konflikt um die Kindererziehung in gemischtkonfessionellen Ehen verständigte er sich 1834 mit der preußischen Regierung auf die so genannte Berliner Konvention. Entgegen seiner Hoffnung fand diese Vereinbarung mit dem preußischen Staat jedoch nicht die notwendige Zustimmung durch Papst Gregor XVI. Bevor jedoch der Mischehenstreit offen ausbrechen konnte, verstarb Ferdinand August, der seit 1833 vermutlich an Darmkrebs litt, am 2. August 1835 in Köln. Er fand in der erzbischöflichen Gruft des Kölner Doms seine letzte Ruhe.

Weblinks


- Spiegel, Ferdinand August von Spiegel, Ferdinand August von Spiegel, Ferdinand August von Spiegel, Ferdinand August von Spiegel, Ferdinand August von

Erzbischof von Köln

und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen.]] Der Erzbischof von Köln war bis 1803 einer der Kurfürsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Siehe auch: Erzbistum Köln

Weblinks


- http://www.erzbistum-koeln.de/opencms/opencms/erzbistum/erzbischof/eb_liste.html - Die gesamte Liste ! Kategorie: Köln ! Erzbischöfe von Köln ja:ケルン大司教

Ostpreußen

Die preußische Provinz Ostpreußen war von 1871 bis 1945 der nordöstlichste Landesteil des Deutschen Reiches. Ostpreußen war das Stammland der baltischen Pruzzen und des späteren Königreichs Preußen, in seiner Hauptstadt Königsberg krönte sich 1701 der erste preußische König selbst. Durch seine exponierte Lage vor der russischen Grenze, seine Frontstellung im Ersten Weltkrieg, seine Abtrennung vom übrigen Reichsgebiet durch den Vertrag von Versailles 1919, die Gewaltexzesse bei der Besetzung durch die Rote Armee 1945, Flucht und Vertreibung der Bevölkerung wurde Ostpreußen zum Symbol sowohl für die Nationalisten aller beteiligten Parteien als auch für die Schrecken des Krieges und Verbrechen an der Zivilbevölkerung im Allgemeinen. Gerade an der heutigen Situation dort kann man die fatalen Auswirkungen systematisch geplanter und begangener "ethnischer Säuberungen" erkennen, sowohl auf das kulturelle Erbe als auch auf die langfristige wirtschaftliche Entwicklung. Ostpreußen liegt an der Ostseeküste, zwischen Litauen und Polen, seine nördliche Hälfte bildet heute das russische Kaliningrader Gebiet, die südliche die polnische Woiwodschaft Ermland-Masuren. Mit einer Fläche von rund 39000 km² hatte Ostpreußen 1939 2,6 Millionen Einwohner und war mit 66,6 Einwohnern je km² vergleichsweise dünn besiedelt. Allein in der Hauptstadt Königsberg lebten damals 372.000 Einwohner. Das ganz im Norden gelegene, recht schmale Memelland, das zur Region Ostpreußen gehört, ist heute litauisch. Da Ostpreußen kein zusammengehöriges politisches Gebiet mehr ist, wird der Begriff „Ostpreußen“ nur noch seltener in den nicht fachspezifischen Medien für die aktuelle Region verwendet, wenn die politische Zugehörigkeit keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt (z. B. in Naturkundefilmen). Als Hymne von Ostpreußen gilt das Ostpreußenlied. Ostpreußenlied

Geschichte

Vorgeschichte

Archäologische Funde bezeugen menschliche Besiedlung an der Südküste der Ostsee seit 2000 v. Chr. 98 n. Chr. berichtete Tacitus in seiner Germania über die Aesti gentes. Allerdings hatte Tacitus diese Gebiete selber nie besucht, und fasste auch alle an der Ostsee (Mare Suebicum) lebenden Stämme (unter anderem Lombarden, Burgunder, Semnonen, Wandalen, Lugier, Silinger, Goten) als Suebi (Schwaben) zusammen, so dass man wenige Einzelheiten zur frühen Geschichte findet. 550 n. Chr. zählt der byzantinische Geschichtsschreiber Jordanes die Aesti zum gotischen Reich. Etwa um 850 n. Chr. spricht ein Bayerischer Geograph von den Brus. Bayerischer Geograph Wulfstan von Haithabu (Schleswig) berichtete in seinen Reiseberichten über das Land und die Leute jener Gegend. Die ostbaltischen Litauer wurden im 11. Jahrhundert erstmals beschrieben, während die Prussen Westbalten waren. Doch erst mit der Zeit der Christianisierung und des damit verbundenen Kirchenbaues fing man lokal an, schriftliche Dokumente zu führen, die detaillierte Informationen enthalten. Die englische Bezeichnung Spruce (Fichte) wird etymologisch auch von Pruce (Preußen) abgeleitet und als Hinweis auf Handel mit Preußen gesehen. Die älteste Verwendung dieses Wortes findet sich vor 1400 in der altenglischen Sprache.

Staatenbildung

Ursprünglich war es das Stammland der Pruzzen (sog. Preußenland) an der Ostseeküste, nördlich des späteren Polen und westlich von Litauen; die südwestliche Grenze war westlich der Weichsel, nordöstlich etwa die Stadt Memel nördlich des Flusses Memel. Das Stammgebiet der Pruzzen ging auch südlich über die Grenzen des Ordensstaates Preußen oder Ostpreußen hinaus. Das von baltischen Stämmen an der Ostseeküste besiedelte Gebiet wurde seit dem 10. Jahrhundert zur Interessensphäre der entstehenden und expandierenden deutschen und polnischen Staaten. Mieszko I., ein Fürst aus dem Hause der Piasten, gab Markgraf Gero und Kaiser Otto I. im zehnten Jahrhundert den Lehnseid und erhielt vom Kaiser und dessen Nachfolger Otto II. und Otto III. Land als Lehen. Die Piasten versuchten nach dem Tode der Kaiser, das kaiserliche Lehen für sich zu behalten und weiteres Land zu erobern. 997 n. Chr. kam Adalbert von Prag mit Soldaten des Piasten Boleslaw I. Chrobry nach Ostpreußen, um die Pruzzen zu unterwerfen. Sie drangen in der Gegend um Danzig bis zur Ostsee vor. Die Pruzzen konnten sich jedoch wehren und die Soldaten Boleslaws zurückdrängen, worüber die Vita Sankt Adalbert berichtet. In der Folgezeit versuchte Polen mehrmals ohne Erfolg, das Siedlungsgebiet der Pruzzen und der Pomeranen (Pommern) zu erobern, um einen Zugang zur Ostsee zu erhalten. Die von Konrad von Masowien ebenfalls unter dem Vorwand der Missionierung durchgeführten Kriegszüge scheiterten am Widerstand der Pruzzen; Teile des eroberten Kulmerlandes konnte er nur kurzzeitig halten. Um eine sichere Nordgrenze zu erreichen, bot Konrad von Masowien dem Deutschen Ritterorden Landrechte im Gegenzug für militärische Unterstützung an. Diese Landrechte wurden 1226 durch den deutschen Kaiser Friedrich II. in der Goldenen Bulle von Rimini und 1234 von Papst Gregor IX. in der Goldenen Bulle von Rieti formell bestätigt.

Der Ordensstaat

Goldenen Bulle von Rieti]] Altpreußen (das spätere Ostpreußen, Ermland und Teile von Westpreußen) bestand im Jahre der Goldenen Bulle von Kaiser Friedrich II. aus den folgenden Gebieten: Schon im Jahre 1224 war Wilhelm von Modena vom Papst zum Legaten für u. a. Preußen und Samland benannt worden. Ab 1226 begann der Deutsche Orden unter Hochmeister Hermann von Salza die Christianisierung Preußens, das durch die Goldene Bulle von Rimini (1226) von Kaiser Friedrich II. und eine päpstliche Bulle von 1234 unter die Herrschaft des Deutschen Ordens gestellt wurde. 1245 teilte der päpstliche Legat Wilhelm von Modena das Preußenland in vier Bistümer ein: Ermland, Kulmerland, Pomesanien und Samland. Die vier Bistümer unterstanden dem Erzbischof von Riga (siehe auch Liste der Erzbischöfe von Riga). Es dauerte jedoch bis 1283, ehe die heidnischen Preußen besiegt waren. Der Orden gewann 1309 auch Pommerellen mit Danzig und konnte das Land gegen die heidnischen Litauer verteidigen. Der erste Bischof Preußens war der Mönch Christian aus dem Zisterzienserkloster Lekno bei Gnesen. Sitz des Ordens war erst Venedig, dann in Preußen die Ordensburg Marienburg, nach der Schutzheiligen des Deutschen Ordens Maria benannt. Nach der Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg von 1410 und dem 13 Jahre dauernden Städtekrieg innerhalb Preußens von 1454 bis 1466 verlor der Deutsche Orden Westpreußen und musste die polnische Lehnshoheit Ostpreußens anerkennen. Dieses war jedoch weder vom Papst noch vom Kaiser anerkannt und 1494 erhob Kaiser Maximilian I. den Deutschmeister zum Reichsfürsten. Ermland wurde exemptes eigenständiges Fürstbistum. 1511 wurde Albrecht von Brandenburg-Ansbach-Preußen Hochmeister des Deutschen Ordens. Wie auch die vorherigen Hochmeister verweigerte er dem polnischen König den Lehnseid. Kaiser Maximilian I. schloss im Jahre 1515 auf dem Wiener Fürstentag Verteidigungs- und Heiratsbündnisse mit den Jagiellonen. Albrecht versuchte in einem 4-jährigen Reiterkrieg erfolglos und vom Kaiser im Stich gelassen, die Bindung an Litauen-Polen zu verhindern. Albrecht ging dann ein persönliches Familienbündnis mit seinem Onkel Sigismund I. ein.

Brandenburg-Preußen

Sigismund I. 1525 wurde Preußen ein Herzogtum unter Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Der Deutsche Orden setzte einen neuen Hochmeister ein, Walther von Cronberg, welcher aber nicht wie bisher in Königsberg, sondern in Mergentheim seinen Sitz einnahm. 1527 erhielt Cronberg vom Kaiser die Berechtigung, sich Administrator des Hochmeistertums zu nennen. (Noch der Sohn Kaiser Maximilians II. war bis 1618 Administrator Preußens. Dann nannte man das Amt Hoch- und Deutschmeister. Die Hoch-und Deutschmeister des Deutschen Ordens hatten durch den Kaiser seit 1526 den gleichen Stand im Imperium, wie ein Fürstbistum). 1534 wurde Herzog Albrecht unter Bann gesetzt. 1544 gründete Herzog Albrecht die Universität Albertina in Königsberg. Die kulturellen Leistungen in seiner Amtszeit waren die Prutenischen Tafeln, die Erstellung preußischer Landkarten sowie eine Münzreform unter Leitung Nikolaus Kopernikus. In diese Zeit fielen auch die Aufnahme evangelischer Flüchtlinge und besonders die erstmaligen Übersetzungen religiöser Schriften in verschiedene Sprachen der neuen preußischen Bürger aus den Nachbarländern. Nach dem Tode Herzog Albrechts im Jahre 1568 kam dessen fünfzehnjähriger Sohn Albrecht Friedrich an die Regierung; dessen Geisteskrankheit bedingte, dass seit 1577 an seiner Stelle brandenburgische Kurfürsten aus der Linie der Hohenzollern regierten, da sie gemeinsam 1569 das Amt eines Herzog von Preußen geerbt hatten. 1618 endete die preußischen Linie der Hohenzollern, als Albrecht II. starb. Das Herzogtum Preußen (ohne das Fürstbistum Ermland) fiel an die brandenburgische Linie der Hohenzollern, zu diesem Zeitpunkt unter Johann Sigismund. Fortan fanden sich beide Regionen in einem Land wieder, dem späteren (ab 1701) Königreich Preußen. Trotz des Namens lag das Kerngebiet dieses Landes in der Mark Brandenburg.

Königreich Preußen

Nachdem im 18. Jahrhundert Polen aufgeteilt wurde (1772 erste Teilung Polens) und westliche Teile Preußens Friedrich II. huldigten, ordnete der König am 31. Januar 1773 an, die Wiedererwerbungen als Westpreußen und das bisherige Herzogtum Preußen als Ostpreußen zu bezeichnen. Ermland mit Allenstein und Braunsberg,seit Jahren exemtes Fürstbistum in Preußen, kam wieder unter gemeinsame Regierung, die des Königs von Preußen. Hauptstadt Ostpreußens war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Königsberg. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurden Ostpreußen und Westpreußen als Provinzen errichtet. Von 1824 bis 1829 waren sie personell und von 1829 bis 1878 real zur Provinz Preußen vereinigt. 1878 wurde diese wieder geteilt, bis 1919 bildeten die Provinzen Ostpreußen (Hauptstadt: Königsberg) und Westpreußen (Hauptstadt: Danzig) den nordöstlichen Teil des Deutschen Reichs. Durch seine gemeinsame Grenze mit Russland und seine vorgeschobene geographische Lage wurde Ostpreußen im Ersten Weltkrieg zu einem wichtigen Schauplatz der Ostfront, hier lagen die einzigen Gebiete des Reichs, die während des Weltkriegs von fremden Truppen besetzt waren (die verlustreichen Schlachten an der Westfront fanden auf französischem und belgischen Territorium statt). Ostfront]] Der russische Vormarsch wurde in der zweiten Schlacht von Tannenberg zum stehen gebracht, die verantwortlichen Generale Hindenburg und Ludendorff legten hier die Grundlage zu ihrer großen Popularität, die sie während der Weimarer Republik auf unterschiedliche Weise nutzten: Hindenburg als konservativer Reichspräsident, Ludendorff als Putschist und Verbündeter Hitlers.

Der Versailler Vertrag

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages wurde Westpreußen ohne Volksabstimmung zwischen Polen und der vom Deutschen Reich abgetrennten Freien Stadt Danzig aufgeteilt. Der östliche Restteil wurde der Provinz Ostpreußen als Regierungsbezirk Westpreußen mit Verwaltungssitz in Marienwerder angegliedert, beziehungsweise der neugebildeten Grenzmark Posen-Westpreußen angeschlossen. Am 10. Januar 1920 wurde der südwestliche Teil des Kreises Neidenburg ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten. Daraus wurde der neue Kreis Dzialdowo (Soldau) gebildet, der zur polnischen Woiwodschaft Pomerellen trat. Im südlichen Ostpreußen (Masuren) fand 1920 eine Volksabstimmung über die künftige Gebietszugehörigkeit statt. Hintergrund der Volksabstimmung war, dass die Bevölkerungsmehrheit in Masuren neben Deutsch als Verkehrssprache eine eigene slawische Sprache, das „Masurische“ gebrauchte. Deutschland sollte Masuren nach dem Erstentwurf des Versailler Vertrages ohne Volksabstimmung an Polen abtreten. Erst nach Protest der Regierung Ebert einigten sich die Parteien bei den Verhandlungen in Versailles auf eine Volksabstimmung. Die Bewohner konnten bei der Volksabstimmung wählen zwischen den Alternativen Polen und „Ostpreußen“. 97 % der Bewohner entschieden sich dafür, weiterhin zu Ostpreußen gehören zu wollen. Das Memelgebiet, welches gemäß dem Versailler Vertrag ein Freistaat werden sollte, und seit 1920 von französischen Truppen besetzt war, wurde 1923 von litauischen Verbänden besetzt und in der Folge annektiert.

Weimarer Zeit und Drittes Reich

1922 wurde vom Reichsverkehrsministerium der Seedienst Ostpreußen eingerichtet, der über den Seeweg eine Verbindung zwischen Ostpreußen und dem Kernland des Deutschen Reiches herstellte. Der Seedienst Ostpreußen bestand bis 1944. 1944]] Der Verkehr zwischen dem Deutschen Reich und Ostpreußen auf dem Landweg war wegen des sogenannten polnischen Korridors (die Landverbindung zwischen dem eigentlichen Polen und der Ostsee durch das bisherige Westpreußen) nicht unproblematisch. Der Bahnverkehr erfolgte in verplombten Zügen, bei denen zum Teil sogar die Fenster zugehangen wurden. Auch der Straßenverkehr zwischen Ostpreußen und dem Reichsgebiet wurde durch die polnischen Behörden erschwert. Das Verhältnis zwischen der Weimarer Republik und dem klerikalfaschistischen polnischen Staat war äußerst feindselig, immer wieder kam es entlang der gemeinsamen Grenze zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 konnten diese in der Bevölkerung unter anderem auch durch das Unterlaufen des in Deutschland als Demütigung empfundenen Versailler Vertrags Popularität gewinnen. So wurden im Westen (Rheinland, Saargebiet) und Südosten (Österreich, Sudetenland) deutschsprachige Gebiete an das Reich angeschlossen, ohne bei den Westmächten Frankreich und Großbritannien auf ernsthaften Widerstand zu stoßen. Für die deutschen Forderungen im Nordosten, den Wiederanschluss Danzigs und die Rückgabe des „Korridors“, signalisierten sie jedoch im Falle einer Besetzung den Casus belli (Kriegsfall). Lediglich Litauen gab am 23. März 1939 auf deutschen Druck hin das Memelgebiet an das Deutsche Reich zurück. Ein knappes halbes Jahr später begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Nach der schnellen Besetzung dieses Landes wurden neben den 20 Jahre zuvor abgetretenen Provinzen Westpreußen und Posen weitere Teile Polens annektiert. Noch 1939 wurde dort ein neuer Regierungsbezirk Zichenau gebildet, der der Provinz Ostpreußen zugeordnet wurde. Ferner trat der neue Landkreis Suwalki (später Sudauen) zur Provinz, während die früher westpreußischen Gebiete um Elbing und Marienwerder an den neuen Reichsgau Westpreußen, später Danzig-Westpreußen, fielen.

Eroberung, Kriegsende und Vertreibung

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ostpreußen von der Roten Armee nach blutigen Kämpfen erobert. Die nationalsozialistische Gauleitung unter Gauleiter Erich Koch unterließ die rechtzeitige Evakuierung der Bevölkerung und stellte selbständige Fluchtbewegungen unter schwere Strafe. Dadurch wurde ein Großteil der Zivilbevölkerung unmittelbar in die Kampfhandlungen verwickelt. Nach dem Ende der Kampfhandlungen zurückkehrende Bewohner wurden vielfach, von durch die antideutsche Propaganda aufgestachelte Soldaten der Roten Armee, umgebracht, misshandelt, vergewaltigt und zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt. Die überlebenden Bewohner wurden bis 1947 fast vollständig aus ihrer Heimat nach dem verbliebenen Deutschland vertrieben. Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew waren Augenzeugen und haben sich gegen die begangenden Gräueltaten der Roten Armee wie beispielsweise in Nemmersdorf ausgesprochen. Sie kamen beide darauf in Zwangsarbeitslager (Gulags). Die überwiegende Mehrheit der vertriebenen Einwohner Ostpreußens fanden ihre neue Heimat in den westlichen Besatzungszonen, die meisten davon in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern. Unter den Vertriebenen waren auch viele Bewohner Masurens, die nicht Deutsch, sondern Masurisch als Muttersprache hatten, aber dennoch zwangsausgesiedelt wurden. Nach dem Potsdamer Abkommen wurde Ostpreußen zwischen Polen und der Sowjetunion aufgeteilt. Der sowjetische Anteil wurde der russischen Sowjetrepublik zugeteilt und mit Russen aus Zentralrussland und dem Gebiet des heutigen Föderationskreises Wolga sowie mit Weißrussen besiedelt. Der polnische Anteil wurde auf die damaligen Woiwodschaften Danzig, Allenstein und Suwalki aufgeteilt und in erster Linie von Polen aus Zentralpolen und im Rahmen der Aktion Weichsel aus Südostpolen vertriebener Ukrainer besiedelt. Die Hauptstadt Königsberg wurde 1946 zu Ehren des sowjetischen Politikers Michail Iwanowitsch Kalinin in Kaliningrad umbenannt, ebenso wurden sämtliche Orte im sowjetischen Anteil – sofern sie nicht aufgelöst wurden – umbenannt. Kaliningrad

Anerkennung der Grenzziehung

Die DDR erkannte die Oder-Neiße-Linie als Grenze zu Polen 1950 an. Diese Anerkennung hatte allerdings keinerlei völkerrechtsverbindliche Wirkung. Aber auch die (westdeutsche) freiheitlich-demokratische Bundesrepublik Deutschland, (mit Alleinvertretungsanspruch) betrieb unter ihrem Kanzler Willy Brandt im Rahmen der neuen Ostpolitik in den frühen 1970er Jahren die Anerkennung der Grenzziehung vorbehaltlich eines endgültigen Friedensvertrages. Im Zuge des Beitrittes der DDR zur BRD mußte die Bundesrepublik Deutschland zuvor einen deutsch-polnischen Grenzvertrag unterzeichnen (am 14. November 1990) und damit ihre Ansprüche auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete und damit auch auf Ostpreußen aufgeben. Ohne diesen Grenzanerkennungsvertrag wäre die sogenannte deutsche Wiedervereinigung gefährdet gewesen.

Heutige Situation

Nach der Verwaltungsreform 1975 wurde das polnische Ostpreußen in die neuen Bezirke (Woiwodschaften) Elbing, Allenstein, Zichenau und Suwałki geteilt. Nach einer erneuten Bezirksreform am 1. Januar 1999 im polnischen Südteil bildet dieses Gebiet seither fast in seiner Gesamtheit die Woiwodschaft Ermland-Masuren mit der Hauptstadt Allenstein (Olsztyn), der nördliche Teil bildet heute die russische Oblast Kaliningrad mit der Hauptstadt Kaliningrad. Nach der Auflösung der Sowjetunion ist diese Oblast nun eine Exklave Russlands. Einige russische Einwohner nennen die Stadt heute häufig „Kjonigsberg“, „Kenig“ oder „Kenigsberg“, weshalb eine Rückbenennung in den alten Namen, wie bei St. Petersburg geschehen, ein ständiges Thema ist.

Verwaltungsgliederung der Provinz Ostpreußen

In der Zeit von 1878 bis 1945 hat sich die territoriale Verwaltungsgliederung innerhalb der überwiegend landwirtschaftlich strukturierten Provinz Ostpreußen nur allmählich verändert. Allerdings sind 1920 und 1939 die Außengrenzen erheblich verändert worden.

Regierungsbezirke

Von 1878 bis 1945 bestanden die beiden Regierungsbezirke Gumbinnen und Königsberg. Aus den südlichen Kreisen dieser Bezirke entstand am 1. November 1905 der neue Regierungsbezirk Allenstein. Der früher westpreußische Regierungsbezirk Marienwerder wurde teilweise, gemeinsam mit einigen Kreise aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Danzig (Elbing und Marienburg) zum 1. Juli 1922 als Regierungsbezirk Westpreußen mit dem Sitz in Marienwerder der Provinz Ostpreußen angegliedert und trat am 26. Oktober 1939 zum neuen Reichsgau Danzig-Westpreußen. Am 26. Oktober 1939 wurde aus annektierten polnischen Gebieten der neue Regierungsbezirk Zichenau (Ciechanów) der Provinz Ostpreußen einverleibt. Ab 1. August 1941 entstand aus besetzten sowjetischen (weißrussischen, bis 1939 polnischen) Gebieten der neue Bezirk Bialystok. Dieser wurde vom ostpreußischen Oberpräsidenten und Gauleiter Erich Koch als Chef der Zivilverwaltung mitverwaltet und faktisch wie Reichsgebiet behandelt, allerdings nicht förmlich nach Ostpreußen eingegliedert.

Stadtkreise

Außer dem bereits 1818 bestehenden Stadtkreis Königsberg i. Pr. entstanden im Laufe der Zeit die folgenden weiteren Stadtkreise: Es wurden die Städte Tilsit (1896), Insterburg (1901), Allenstein (1910) und Memel (1918) aus ihren Landkreisen ausgegliedert und bildeten eigene Stadtkreise. Das westpreußische Elbing war bereits seit 1874 Stadtkreis und gehörte von 1922 bis 1939 zu Ostpreußen.

Landkreise

Politik

Oberpräsidenten


- 19181919: Adolf Max Johannes Tortilowicz von Batocki-Friebe
- 19191920: August Winnig, SPD
- 19201932: Ernst Siehr, DDP
- 19321933: Dr. Wilhelm Kutscher
- 19331945: Erich Koch, NSDAP

Wahlen zum Provinziallandtag

1921: DNVP 27,1 % – 23 Sitze | SPD 23,5 % – 20 Sitze | DVP 15,3 % – 13 Sitze | Zentrum 9,4 % – 8 Sitze | KPD 7,2 % – 6 Sitze | USPD 7,1 % – 6 Sitze | DDP – 7,0 % – 6 Sitze | Polen – 1,3 % – 1 Sitz | WP 1,2 % – 1 Sitz | Landliste 1,1 % – 1 Sitz
1925: DNVP/DVP 45,6 % – 40 Sitze | SPD 24,8 % – 22 Sitze | Zentrum 6,9 % – 6 Sitze | KPD 6,9 % – 6 Sitze | WP 4,2 % – 4 Sitze | DVFP 4,2 % – 4 Sitze | DDP 3,6 % – 3 Sitze | Aufwertungspartei 2,4 % – 2 Sitze
1929: DNVP 31,2 % – 27 Sitze | SPD 26,0 % – 23 Sitze | DVP 8,7 % – 8 Sitze | KPD 8,6 % – 8 Sitze | Zentrum 8,1 % – 7 Sitze | NSDAP 4,3 % – 4 Sitze | WP 4,0 % – 4 Sitze | CSVD 3,0 % – 3 Sitze | DDP 2,8 % – 3 Sitze
1933: NSDAP 58,2 % – 51 Sitze | SPD 13,6 % – 12 Sitze | DNVP 12,7 % – 11 Sitze | Zentrum 7,0 % – 7 Sitze | KPD 6,0 % – 6 Sitze
An 100 % fehlende Stimmen = Nicht im Provinziallandtag vertretene Wahlvorschläge.

Bekannte Ostpreußen


- Friedrich Wilhelm Bessel, Astronom und Mathematiker
- Marion Gräfin Dönhoff, Journalistin und Verlegerin (Die Zeit)
- Johann Gottfried von Herder, deutscher Dichter
- David Hilbert, Mathematiker
- Immanuel Kant, Philosoph
- Käthe Kollwitz, Künstlerin
- Nikolaus Kopernikus, Astronom
- Heinz Sielmann, Tierfilmer Siehe auch Liste bedeutender Ostpreußen

Sprache

Die ostniederdeutschen Dialekte, die in Ostpreußen gesprochen wurden, werden erfasst und beschrieben im Preußischen Wörterbuch.

Siehe auch


- Preußen
- Landsmannschaft Ostpreußen
- Vertreibung
- Preußisches Wörterbuch
- Portal:Ostpreußen

Literatur


- Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte und Mythos. Siedler-Verlag, München 2005. ISBN 3-88-680808-4
- Fritz Mielert: Ostpreußen. Nebst dem Memelgebiet und der Freien Stadt Danzig. (Reihe: Monographien zur Erdkunde, Bd. 35). Velhagen & Klasing. Bielefeld. 1926. 163 S. (Nachdruck: Bechtermünz Verlag. Augsburg. 1999. ISBN 3828902723)
- Walter Frevert: Rominten(1. Teil der so genannten "Ostpreußen-Trilogie"). BLV, Bonn, München und Wien 1957
- Hans Kramer: Elchwald. Der Elchwald als Quell und Hort ostpreußischer Jagd (3. Teil der so genannten "Ostpreußen-Trilogie"). Jagd- und Kulturverlag, Sulzberg im Allgäu 1985 (2., verbesserte Auflage), ISBN 3-925456-00-7

Weblinks


- [http://www.frombork.art.pl/Frombork-foto/Hart3_m.jpg Landkarte Altes Preußenland, preußische Gaue vor 1200]
- [http://wwwtest.library.ucla.edu/libraries/mgi/maps/blaeu/prvssia.jpg Blaeu's Prussia c 1660 ] Karte von Caspar Henneberg
- [http://www.deutsche-schutzgebiete.de/provinz_ostpreussen.htm Provinz Ostpreußen]
- [http://www.ostpreussisches-landesmuseum.de Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg]
- [http://www.wugnet.de/kulturz-ostpreussen/ Kulturzentrum Ostpreußen, Ellingen]
- [http://www.ostsicht.de Bildarchiv für Ostpreußen]
- [http://www.provinz-ostpreussen.de/ Private Seite über Ostpreußen]
- [http://www.prussen.org/ Ostpreußische Geschichte]
- [http://www.ostpreussen-info.de/ Landsmannschaft Ostpreußen: "Ostpreußen – Land der dunklen Wälder und kristall'nen Seen"]
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Westpreußen

Westpreußen war eine preußische Provinz beiderseits der unteren Weichsel mit der Hauptstadt Danzig. Sie wurde 1772/1793 aus den in der Ersten und Zweiten Teilung Polens annektierten Gebieten (ohne das Ermland) gebildet und umfaßte das dem Deutschen Orden 1230 überlassene Culmer Land, den Westteil des vom Orden seit 1231 eroberten Pomesanien, das 1309 vom Deutschen Orden eroberte slawische Herzogtum Pommerellen sowie die ehemaligen großpolnischen Kreise Flatow und Deutsch Krone. Friedrich II. hatte verfügt, daß diese neugebildete Provinz den Namen "Westpreußen" erhalten solle, während das Herzogtum Preußen, vereinigt mit dem Ermland, fortan den Namen "Ostpreußen" führen solle. Das Gebiet bildet heute einen Teil der polnischen Woiwodschaft Pommern. =Besitzergreifung= Nach dem Abschluß des Teilungsvertrages mit Österreich und Rußland vom 5. August 1772 erließ Friedrich der Große am 13. September 1772 das sogenannte „Besitzergreifungspatent“. Der polnische Reichstag ratifizierte die Abtretungsverträge am 30. September 1773, sodaß diese völkerrechtliche Verbindlichkeit erhielten. Solche Landverschiebungen ohne Rücksicht auf die betroffene Bevölkerung waren in der Kabinettspolitik des 18. Jahrhundert gängige Praxis. Man denke z. B. an die spanischen bzw. österreichischen Niederlande oder an Lothringen. General v. Alt-Stutterheim und der ostpreußische Etatminister und Oberburggraf von Rohd nahmen mit mehreren Unterkommissionen und der nötigen militärischen Begleitung die Palatinate Pommerellen, Kulmerland und Marienburg sowie das Ermland in Besitz. Nennenswerten Widerstand gab es nicht. Gleichzeitig ergriff der Geheime Finanzrat v. Brenkenhoff Besitz vom Netzedistrikt. Bereits am 27. September huldigten die Stände des gesamten neuen Gebietes den beiden königlichen Kommissaren im Großen Remter der Marienburg. Eine zweite Huldigung erfolgte am 22. Mai 1775 vor Brenkenhoff in Inowraclaw, nachdem die Grenzen des Netzedistrikts inzwischen erweitert worden waren. Im Frühjahr 1793, während Preußen mit dem revolutionären Frankreich im Kriege stand, vereinbarten Preußen und Rußland, weitere Teile des polnischen Reiches unter sich zu teilen. Unter anderem sollten Danzig und Thorn zu Westpreußen kommen. Am 11. März 1793 beschlossen der Rat und die Bürgerschaft der Stadt Danzig einstimmig, sich der Oberhoheit des preußischen Königs zu unterstellen. Am 28. März sollten die preußischen Truppen unter General Raumer in die Außenwerke der Stadt einrücken. Dabei kam es zu einer Meuterei der Danziger Stadtsoldaten, die sich gegen ihre Offiziere stellten und auf die anrückenden Preußen zu schießen begannen. Unter den Danziger Stadtsoldaten waren nämlich viele, die zuvor aus preußischen Diensten desertiert waren und die nun fürchteten, bestraft zu werden. Andere fürchteten, zum preußischen Heere eingezogen und in den Krieg gegen das revolutionäre Frankreich geschickt zu werden. Schließlich gelang es den Stadtvätern, die Meuterei zu unterdrücken. Am 4. April, wie mit Rußland vereinbart, zogen die preußischen Truppen ohne Zwischenfälle in die Stadt ein. Am 7. Mai huldigte die Stadt im Rathaus vor General Raumer und dem Regierungspräsidenten v. Schleinitz als den Vertretern des preußischen Königs. Gleichzeitig huldigte die Stadt Thorn, die gewünscht hatte, als „eine mit Danzig verschwisterte deutsche und preußische Stadt, in Danzig huldigen zu dürfen". =Innere Verwaltung= Der König hatte 1772 angeordnet, daß das Ermland unter die Verwaltung der Königsberger Kriegs- und Domänenkammer kommen sollte. Für die neuen Gebiete Elbing, Marienburg, Kulmerland und Pomerellen sollte eine neue Kriegs- und Domänenkammer in Marienwerder eingerichtet und ihr auch die preußischen Ämter Marienwerder und Riesenburg und die Erbämter Schöneburg und Deutsch-Eylau zugeschlagen werden. Der Netzedistrikt sollte zunächst eine selbständige Verwaltung unter dem Geheimen Finanzrat v. Brenckenhoff erhalten. Schon im Juni 1772 hatte Friedrich bei einer persönlichen Zusammenkunft in Marienwerder den Präsidenten der Gumbinner Kriegs- und Domänenkammer, Joh. Friedr. v. Domhardt, zum Oberpräsidenten aller drei preußischer Kammern, der Königsberger, der Gumbinner und der für die zu erwerbenden Gebiete neu zu schaffenden Marienwerderschen Kammer ernannt. Dabei wurde die Marienwerder Kammer zunächst nicht dem Generaldirektorium in Berlin unterstellt, sondern blieb unmittelbar vom König abhängig. In einer Kabinettsorder v. 31. Januar 1773 an Domhardt gab Friedrich der neuen Provinz den Namen „Westpreußen“, während die alte Provinz Preußen nunmehr „Ostpreußen“ heißen sollte. Beide Provinzen zusammen bildeten nun das „Königreich Preußen“. Friedrich nannte sich nun „König von Preußen“, statt bisher „König in Preußen“. Westpreußen wurde in sieben „Landrätliche Kreise“ eingeteilt, nämlich:
- Marienwerder
- Marienburg
- Culm (Kulm)
- Michelau
- Dirschau
- Stargard
- Konitz Der Netzedistrikt, das „Cammer-Deputations-Departement“, wurde 1775 völlig in Westpreußen einverleibt. Es wurden vier Landrätliche Kreise eingerichtet:
- Bromberg
- Inowraclaw (Hohensalza)
- Cammin
- Deutsch-Krone
- An der Spitze eines landrätlichen Kreises stand der von der Regierung ohne Mitwirkung der Kreiseingesessenen ernannte Landrat. Er gehörte fast durchweg dem Adel, wenn auch nicht immer dem einheimischen an. Als staatlicher Beamter hatte er die allgemeine polizeiliche Aufsicht über die adligen Güter, ihre Bauern und über die Kölmer. 1787 erhielt die westpreußische Ritterschaft das Privileg, freigewordene Landratsstellen durch Wahl aus ihrer Mitte zu besetzen.
- Neben den Landräten standen die „Beamten“, das waren die Verwalter der Domänenämter innerhalb des gleichen landrätlichen Kreises.
- Eine dritte Gruppe bildeten die Steuerräte. Sie verwalteten die Steuerkreise, in denen jeweils eine Anzahl von St